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Driss, der sein muss
20 PS. Ein luftgekühlter Einzylinder. Kaum Elektronik und ein Motorradkonzept, das scheinbar aus einer anderen Zeit stammt. Eigentlich war ich mir sicher, dass ich an der Royal Enfield Bullet 350 genügend Kritikpunkte finden würde. Mein Plan war einfach: Ich wollte den Haken an diesem Motorrad finden.
Doch schon nach den ersten Kilometern wurde aus der geplanten Abrechnung etwas völlig anderes.
Die Royal Enfield Bullet 350 versucht gar nicht erst, mit Leistung, High-Tech oder spektakulären Fahrleistungen zu beeindrucken. Stattdessen bollert der Einzylinder entspannt vor sich hin und erinnert daran, dass Motorradfahren nicht immer etwas mit Höchstgeschwindigkeit oder PS-Zahlen zu tun haben muss.
Während ich anfangs noch über fehlende Leistung, Beschleunigung und moderne Technik nachdachte, passierte unterwegs etwas Unerwartetes: Ich achtete plötzlich mehr auf die Landschaft als auf den Tacho.

Eigentlich wollte ich herausfinden, was der Royal Enfield Bullet 350 fehlt. Doch je genauer ich hinschaute, desto schwieriger wurde diese Aufgabe.
Der klassische Rundscheinwerfer, der Metalltank, das einzelne Rundinstrument, die angenehm einfache Bedienung und der große, offen sichtbare Motor – Punkt für Punkt verschwand ein weiterer vermeintlicher Kritikpunkt von meiner Liste. Statt moderner Displays, unzähliger Menüs oder Software-Updates konzentriert sich die Bullet auf das Wesentliche: Kupplung, Gas und zwei Räder.
Genau das machte meine Mission zunehmend schwieriger.

Natürlich durfte auch diesmal der mittlerweile obligatorische Beschleunigungstest nicht fehlen. Mit ihren 20 PS gewinnt die Royal Enfield Bullet 350 sicher keine Ampelsprints. Im Gegenteil: Die Beschleunigung verläuft so entspannt, dass unterwegs sogar noch Zeit bleibt, gedanklich die Steuererklärung zu erledigen.
Und genau das war das Problem. Ich hatte erwartet, über die Fahrleistungen lachen zu müssen. Stattdessen grinste ich die ganze Zeit unter meinem Helm.
Royal Enfield Bullet 350
Motorradfahren aus einer anderen Zeit - mit moderner Technik!

Die Bullet vermittelt ein Fahrgefühl, das heute nur noch wenige Motorräder bieten. Sie fordert ihren Fahrer nicht ständig dazu auf, schneller zu fahren oder jede Kurve sportlich zu nehmen.
Im Gegenteil. Sie entschleunigt.
Man genießt die Strecke, die Landschaft und den Moment – ganz ohne den ständigen Blick auf PS-Zahlen oder Beschleunigungswerte. Gerade darin liegt vermutlich der Grund, warum die Royal-Enfield-Community so begeistert von ihren Motorrädern ist.
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Ich bin mit einem klaren Vorurteil gestartet. Ich wollte dieses Motorrad schlecht finden. Am Ende musste ich jedoch feststellen, dass ich die ganze Zeit am falschen Motorrad gesucht habe.
Nicht die Royal Enfield Bullet 350 war das eigentliche Problem – sondern meine Vorstellung davon, was ein Motorrad heute leisten muss, um Spaß zu machen. Die Bullet wird sicher nicht für jeden das perfekte Motorrad sein. Wer hohe Leistung, modernste Technik oder sportliche Fahrleistungen sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich.
Wer jedoch entschleunigt Motorrad fahren möchte und den Charakter eines klassischen Einzylinders schätzt, sollte der Royal Enfield Bullet 350 unbedingt eine Chance geben. Denn manchmal sind es gerade die Motorräder mit den wenigsten PS, die den größten Eindruck hinterlassen.
Bullet 350 - jetzt seid ihr gefragt:
Habt ihr euch auch schon einmal bei einem Motorrad komplett geirrt? Oder gibt es ein Modell, das eure Vorurteile völlig auf den Kopf gestellt hat? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare auf Youtube!
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