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Persönliches
Driss, der sein muss
Die Royal Enfield Interceptor 650 ist weder ein besonders starkes noch ein besonders modernes Motorrad. Und trotzdem hat sie sich eine erstaunlich große Fangemeinde erarbeitet. Warum eigentlich?
Genau das wollte ich herausfinden. Ein Freund hat mir seine Interceptor 650 für eine ausgiebige Fahrt überlassen – und wie immer geht es dabei nicht um einen klassischen Motorradtest, Messwerte oder eine Punktewertung. Ich fahre das Motorrad und erzähle, wie es sich für mich anfühlt.
Vielen Dank an Luis, der mir seine Interceptor 650 für diese Fahrt überlassen hat. Seine Royal Enfield ist übrigens kein reines Schönwetter-Motorrad: Sie ist sein Hauptfahrzeug und wird ganzjährig gefahren – auch im Winter. Entsprechend darf man ihr Salz, Wetter und viele gefahrene Kilometer hier und da auch ansehen. Für mich sind solche Gebrauchsspuren eher ein Zeichen dafür, dass ein Motorrad tatsächlich benutzt wird.

Die Interceptor macht es einem optisch nicht gerade schwer, sie zu mögen. Klassischer Tank, Rundinstrumente, Speichenräder, eine gerade Sitzbank und vor allem die doppelte Auspuffanlage: Vieles erinnert an Motorräder aus einer anderen Zeit, ohne dass die Interceptor wie eine bloße Retro-Kopie wirkt.
Aber reicht eine gelungene Optik aus, um die große Beliebtheit der Interceptor 650 zu erklären? Für mich nicht. Also musste ich fahren.

Schon nach den ersten Kilometern hatte ich einen ziemlich konkreten Verdächtigen: den 648-cm³-Zweizylindermotor.
Der Motor passt hervorragend zum Charakter der Interceptor. Er animiert nicht dazu, ständig hohe Drehzahlen zu suchen. Stattdessen bollert und schnurrt er angenehm vor sich hin und liefert genau die Art von Motorcharakter, die für eine entspannte Landstraßenrunde hervorragend funktioniert.
Auch die Gangschaltung hat mir gefallen. Sie lässt sich leicht und eindeutig bedienen, auch der Leerlauf war problemlos zu finden. Vermisst habe ich lediglich eine Ganganzeige.
Royal Enfield Interceptor 650
Entspanntes Motorradfahren mit klassichem Look!

Ein weiterer Grund sitzt rechts und links neben dem Hinterrad. Die serienmäßige Doppelauspuffanlage sieht nicht nur gut aus – sie klingt auch entsprechend.
Dabei gefällt mir besonders, dass die Interceptor nicht unnötig laut sein muss. Beim Beschleunigen bekommt man einen schönen tiefen und sonoren Klang, gleichzeitig lässt sich das Motorrad durch Ortschaften angenehm zurückhaltend bewegen.
Ich habe mich während der Fahrt tatsächlich mehrfach dabei ertappt, den Gasgriff nur deshalb etwas weiter zu öffnen, weil ich den Motor und den Auspuff hören wollte – nicht weil ich schneller fahren wollte.
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Natürlich gab es bei meiner Fahrt auch Punkte, die mich weniger überzeugt haben. Die Sitzbank empfand ich auf Dauer als ziemlich hart. Auch das Fahrwerk gehört für meinen Geschmack eher zur straffen Sorte.
Mit meinen 1,80 Metern Körpergröße fand ich außerdem den Kniewinkel bereits relativ spitz. Für eine entspannte Tour ist das für mich noch in Ordnung, auf sehr langen Strecken würde ich mir aber etwas mehr Platz wünschen.
Die Bremsen? Sie tun ihren Job. Mehr Begeisterung haben sie bei mir allerdings nicht ausgelöst.

Eine Rakete ist die Interceptor 650 natürlich nicht – und sie versucht auch gar nicht, eine zu sein.
Gerade auf der Landstraße empfand ich die Leistung aber als vollkommen ausreichend. Viel interessanter fand ich, dass mich das Motorrad überhaupt nicht dazu verleitet hat, ständig schneller fahren zu wollen.
Im Gegenteil: Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, früh hochzuschalten und den Motor entspannt arbeiten zu lassen. Und vielleicht liegt genau darin ein Teil des Reizes dieses Motorrads.

Während meiner Fahrt habe ich irgendwann gemerkt, dass ich wahrscheinlich nach der falschen Antwort gesucht hatte.
Ich wollte den einen Grund finden, warum so viele Motorradfahrer die Interceptor mögen. Diese eine herausragende Eigenschaft, bei der man sofort sagen kann: Genau deshalb!
Aber vielleicht gibt es diesen einen Grund gar nicht.
Der Motor macht Spaß. Der Sound passt hervorragend zum Motorrad. Die Schaltung funktioniert unkompliziert. Die klassische Optik gefällt mir ausgesprochen gut. Und obwohl Sitzbank, Fahrwerk und Bremsen für mich keineswegs perfekt sind, ergibt das Gesamtpaket erstaunlich viel Sinn.
Vielleicht liegt die Beliebtheit der Interceptor 650 also gerade darin, dass sie nicht versucht, in irgendeiner Disziplin die Beste zu sein. Sie macht viele kleine Dinge richtig – und vermittelt dabei ein angenehm unkompliziertes Motorradgefühl.

Tatsächlich standen ein Freund und ich schon vor einigen Jahren nach einer Motorradtour beim Eis und haben über die damals noch ziemlich neue Interceptor 650 gesprochen. Wir waren beide begeistert – gekauft habe ich sie mir trotzdem bis heute nicht.
Nach dieser Fahrt kann ich die Frage aber ziemlich eindeutig beantworten:
Ja, ich würde mir eine Interceptor 650 kaufen.
Allerdings nicht unbedingt als Motorrad für lange Reisen. Für mich wäre sie eher ein Zweitmotorrad: für die entspannte Runde am Nachmittag, zum Cruisen über kleine Landstraßen und für die Momente, in denen Motorradfahren einfach nur Motorradfahren sein soll.
Ich dachte, ich suche einen Grund für die Beliebtheit der Interceptor 650.
Am Ende waren es gleich mehrere.
Interceptor 650 - jetzt seid ihr gefragt:
Was ist für euch der größte Reiz der Royal Enfield Interceptor 650? Hab ich etwas übersehen? Schreibt es gerne in die Kommentare auf Youtube!
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