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Driss, der sein muss
Mit dem Motorrad irgendwohin fahren, am Abend das Zelt aufbauen, draußen schlafen und am nächsten Morgen mit einem Kaffee in der Hand den Sonnenaufgang erleben. Videos mit Wildcampen schaue ich mir auf YouTube tatsächlich gerne an.
Nur gibt es da ein kleines Problem: Ich bin eigentlich überhaupt kein Camper, schon gar kein Wildcamper.
Trotzdem hatte ich schon länger die Idee, genau das einmal selbst auszuprobieren. Eine kleine Motorradtour, Zelt und Ausrüstung auf die BMW G 310 GS packen und eine Nacht allein draußen verbringen.
Geplant war das schon länger. Gemacht habe ich es nicht. Bis irgendwann Anfang September klar war: Wenn ich noch länger darüber nachdenke, wird aus „irgendwann“ vermutlich „nie“.
Also: Jetzt oder nie.

Für solche Unternehmungen ist meine BMW G 310 GS „Gisela“ eigentlich ziemlich praktisch. Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher und der ganze andere Kram verschwinden problemlos in den Koffern und im Topcase.
Also wurde gepackt und losgefahren.
Das Ziel lag diesmal gar nicht weit entfernt. Trotzdem wollte ich aus der Sache zumindest eine kleine Motorradtour machen und nicht einfach nur von zu Hause zur ausgesuchten Wiese fahren.
Und ich hatte mir noch eine Hintertür offengelassen: Solange das Zelt nicht steht, kann ich jederzeit umdrehen und zu Hause schlafen.
Ein ausgesprochen beruhigender Gedanke. 😄

Während der Fahrt kam tatsächlich irgendwann die Frage auf:
Warum tue ich mir das eigentlich an?
Spätestens als ich schließlich mit der Gisela auf den Platz gefahren war, änderte sich aber etwas. Motorrad abstellen, Gepäck runter, Zelt aufbauen – jetzt war klar: Ich bleibe hier. Und plötzlich machte die ganze Sache sogar Spaß.
Das Motorrad neben dem Zelt, etwas zu essen auf dem Topcase und langsam wurde es dunkel. Genau so hatte ich mir dieses kleine Motorrad-Abenteuer vorgestellt.
Zumindest bis die Sonne weg war.
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Im Dunkeln bekommt so eine Nacht nämlich eine ganz andere Atmosphäre.
Das Zelt flattert. Im Wald raschelt irgendetwas. Auf der Straße im Tal fahren noch Autos und deren Scheinwerfer leuchten gelegentlich bis zum Zelt.
Und dann hört man nachts etwas direkt neben dem Zelt. Vermutlich irgendein kleines Tier. Vermutlich. Sehen konnte ich schließlich nichts. 😉
Für zusätzliche Unterhaltung sorgten ein lauter Knall mit anschließendem Gegröle und später auch noch Technomusik von der anderen Seite des Tals.
Von der großen Einsamkeit in der Wildnis konnte also keine Rede sein.
Geschlafen habe ich trotzdem irgendwann – vermutlich gegen drei Uhr morgens.

Für die Nacht hatte ich meine DJI Osmo Action 4 draußen aufgebaut. Sie sollte mehrere Stunden lang den Sternenhimmel als Zeitraffer aufnehmen.
Gegen vier Uhr morgens hörte ich plötzlich das Abschaltsignal der Kamera.
Also raus aus dem Zelt, Kamera und Powerbank vor der Feuchtigkeit retten und wieder hinein in den Schlafsack.
Immerhin war die Nervosität zu diesem Zeitpunkt schon deutlich geringer als ein paar Stunden zuvor.
Kalt wurde es trotzdem. Also kamen zusätzlich Jogginghose, Pullover und Mütze zum Einsatz.
Camping-Romantik sieht vermutlich anders aus.

Um halb sieben öffnete ich das Zelt. Und mein erster Gedanke war tatsächlich nur:
Geschafft!
Dann kam der Teil der Nacht, der mir wahrscheinlich am längsten in Erinnerung bleiben wird.
Wasser auf den Kocher, Kaffee machen und dabei zusehen, wie langsam die Sonne über den Hügeln auftaucht.
Da saß ich dann mit meinem Kaffee neben Zelt und Motorrad – müde, ein bisschen stolz und tatsächlich ziemlich zufrieden.
Für diesen Moment hatte sich die Nacht gelohnt.

Nö. Meine Camping-Allergie ist nicht vollständig geheilt. 😄
Aber ich würde so eine Nacht tatsächlich noch einmal machen. Vielleicht an einem anderen Ort, etwas besser geplant – und wahrscheinlich lieber zusammen mit jemandem.
Und genau dazu wird es schon bald Gelegenheit geben.
Als ich meiner Stieftochter von meinem Vorhaben erzählt hatte, kam nämlich ziemlich schnell:
„Das mache ich mal mit dir zusammen!“
Also werden demnächst zwei Motorräder, zwei Zelte und wir beide gemeinsam unterwegs sein.

Eine große Selbstfindungsreise war mein erstes Wildcamping mit dem Motorrad nicht.
Keine tiefgreifende Erkenntnis über den Sinn des Lebens. Keine Erleuchtung unter dem Sternenhimmel. Und Rotwein hatte ich auch keinen dabei. 😄
Eine Sache nehme ich trotzdem mit:
Manche Dinge kann man wochenlang zerdenken, weil sie einem unangenehm sind oder weil man immer noch einen Grund findet, sie zu verschieben.
Manchmal ist die bessere Lösung ziemlich simpel:
Einfach machen.
Ob ich diese Nacht ohne meinen YouTube-Kanal tatsächlich allein draußen verbracht hätte?
Wahrscheinlich nicht.
Aber jetzt habe ich es gemacht. Und ein bisschen stolz bin ich darauf schon.
Habt Ihr auch schon mal mit dem Motorrad wild gecampt?
Schreibt mir doch einfach in die Kommentare unter das Video auf YouTube!
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