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Persönliches
Driss, der sein muss
Reichen 20 PS? Oder braucht ein Motorrad mindestens 100 PS? Wer sich regelmäßig Motorradvideos auf YouTube anschaut, kennt die Diskussion wahrscheinlich nur zu gut.
Da erklärt der eine, dass 20 PS völlig ausreichend sind. Der nächste ist überzeugt, dass alles über 48 PS reine Angeberei ist. Wieder andere halten Motorräder mit weniger als 100 PS für untermotorisiert.
Und jedes Mal wird darüber diskutiert, als gäbe es auf diese Frage genau eine richtige Antwort.
Ganz ehrlich? Mich nervt diese Schwarz-Weiß-Malerei inzwischen ein wenig.
Nicht, weil die Argumente grundsätzlich falsch wären. Sondern weil dabei oft vergessen wird, dass Motorradfahren etwas sehr Persönliches ist. Was für den einen perfekt funktioniert, kann für den anderen völlig ungeeignet sein.
Vielleicht kann ich das ganz gut beurteilen. In meiner Garage stehen nämlich zwei Motorräder, die unterschiedlicher kaum sein könnten:
Ich bewege also regelmäßig beide Welten – und genau deshalb möchte ich heute einmal darüber sprechen, wie viel Leistung ein Motorrad wirklich braucht.

Fangen wir mit den Motorrädern an, die oft als „übermotorisiert“ bezeichnet werden. Also Maschinen mit 100 PS oder mehr. Natürlich braucht niemand ständig 100 oder 120 PS. Das behauptet aber auch kaum jemand ernsthaft. Der eigentliche Vorteil liegt woanders:
Die Leistung muss nicht permanent genutzt werden – aber sie ist verfügbar, wenn man sie braucht. Zum Beispiel:
Dazu kommt ein Punkt, der in vielen Diskussionen oft vergessen wird: Große Motoren fahren sich häufig deutlich entspannter. Mehr Drehmoment bedeutet:
Meine BMW R nineT fährt sich beispielsweise deutlich schaltfauler als die kleine G 310 GS. Man kann vieles einfach gelassener angehen. Und natürlich spielt auch etwas mit hinein, das Motorradfahrer nur ungern zugeben:
Motorräder werden schließlich selten ausschließlich mit dem Verstand gekauft.

Natürlich hat mehr Leistung auch ihre Schattenseiten. Denn meistens bedeutet ein stärkeres Motorrad gleichzeitig:
Außerdem wird die volle Leistung im Alltag erstaunlich selten genutzt. Die meisten Motorräder mit 100 oder 150 PS verbringen einen Großteil ihres Lebens in Leistungsbereichen, die auch deutlich schwächere Maschinen problemlos erreichen würden.
Und manchmal verführt viel Leistung auch dazu, Dinge zu tun, die man besser lassen sollte. Nicht jeden Fahrer. Aber manche.

Auf der anderen Seite stehen die kleinen Motorräder. Und die haben deutlich mehr Qualitäten, als viele ihnen zutrauen. Wer ein Motorrad mit 20, 30 oder 40 PS fährt, bewegt die Maschine oft wesentlich aktiver.
Man schaltet häufiger. Man nutzt die Drehzahl aus. Man nimmt Schwung mit. Viele empfinden genau das als besonders ursprüngliche Form des Motorradfahrens.
Hinzu kommt das geringe Gewicht. Leichte Motorräder lassen sich:
Gerade auf engen Landstraßen können kleine Motorräder unglaublich viel Fahrspaß bieten. Dazu kommen die meist deutlich geringeren Kosten bei:
Für viele Menschen macht genau das Motorradfahren überhaupt erst bezahlbar.
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Natürlich gibt es auch bei kleineren Motorrädern Nachteile. Der größte Punkt sind fehlende Leistungsreserven. Das merkt man vor allem:
Dann zeigt sich schnell, dass jedes zusätzliche Pferdestärkchen hilfreich sein kann. Auch Überholvorgänge benötigen häufig mehr Planung und Geduld. Wer regelmäßig lange Autobahnetappen fährt oder oft mit voller Beladung unterwegs ist, wird die Grenzen kleinerer Motorräder früher oder später kennenlernen. Das ist nicht dramatisch. Man sollte es nur nicht romantisieren.

Und genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt. Die Diskussion wird häufig mit der Frage geführt:
„Reichen 20 PS?“
Meiner Meinung nach ist das die falsche Frage. Die richtige Frage lautet:
„Reichen 20 PS wofür?“
Für die Feierabendrunde über die Landstraße? Absolut. Für die Fahrt zur Eisdiele? Natürlich. Für eine entspannte Motorradtour durch die Pfalz? Gar kein Problem. Für zwei Personen mit Gepäck auf dem Weg über die Alpen? Da wird die Sache schon deutlich anspruchsvoller.
Und genauso funktioniert es in die andere Richtung. Braucht man 110 PS für den Weg zum Bäcker? Natürlich nicht. Braucht man sie für jede Feierabendrunde? Wahrscheinlich ebenfalls nicht. Aber deshalb sind 110 PS noch lange nicht sinnlos. Die entscheidenden Fragen lauten vielmehr:
Erst dann lässt sich überhaupt beurteilen, ob die vorhandene Leistung passt.

Deshalb nervt mich die ewige Diskussion über die „richtige“ Motorleistung inzwischen ein wenig. Nicht, weil sie völlig falsch wäre. Sondern weil sie oft so geführt wird, als gäbe es nur eine einzige richtige Antwort. Die gibt es aber nicht.
Das perfekte Motorrad für den einen Fahrer kann für den anderen völlig ungeeignet sein. Und genau das ist doch das Schöne an unserem Hobby. Der eine liebt den souveränen Druck eines großen Zweizylinders. Der andere genießt es, eine kleine Maschine bis zur letzten Drehzahl auszudrehen. Beides ist völlig legitim. Ich persönlich fahre jedenfalls beides gerne – je nachdem, wonach mir gerade ist. Und vielleicht sollten wir Motorradfahrer einfach wieder etwas mehr Motorrad fahren ... und etwas weniger darüber diskutieren, was andere fahren sollten.
Wie seht ihr das?
Seid ihr Team „Leistung satt“ oder liebt ihr die Leichtigkeit kleiner Motorräder? Oder habt ihr vielleicht sogar – so wie ich – beide Welten in der Garage stehen? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.
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