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Driss, der sein muss
Es gibt Straßen, da darf am Wochenende fast jeder durch: Autos, Wohnmobile, Lieferwagen – nur Motorräder nicht. Als Motorradfahrer ärgert mich das. Vor allem dann, wenn ich mich an die Verkehrsregeln halte, mit Serienauspuff unterwegs bin und versuche, niemandem unnötig auf den Keks zu gehen.
Aber ganz so einfach ist die Sache leider nicht.
Denn wer direkt an einer beliebten Motorradstrecke wohnt, erlebt einen sonnigen Sonntag vermutlich etwas anders als wir, die dort nur für ein paar Minuten vorbeifahren. Ein gutes Beispiel dafür liegt praktisch vor meiner Haustür: das Elmsteiner Tal im Pfälzerwald.

Das Elmsteiner Tal gehört für mich zu den schönsten Motorradstrecken im Pfälzerwald: Wald, Kurven und eine Landschaft, wegen der man gerne mit dem Motorrad unterwegs ist.
Auf der L499 zwischen Frankeneck und Johanniskreuz gibt es allerdings eine Einschränkung, die viele Motorradfahrer ärgert: Von April bis Oktober ist die Strecke an Samstagen, Sonn- und Feiertagen für Motorräder gesperrt. Also ausgerechnet an den Tagen, an denen viele Berufstätige Zeit für eine Motorradtour hätten.
Natürlich könnte man sagen: Dann fährt man eben unter der Woche. Wer von Montag bis Freitag arbeitet, kann seine Motorradtour aber nicht beliebig auf einen Dienstagvormittag verschieben. Und passendes Motorradwetter lässt sich bekanntlich ebenfalls nur begrenzt bestellen.

Was mich an solchen Motorrad-Streckensperrungen besonders stört, ist die pauschale Behandlung aller Fahrer. Ein Verkehrszeichen kann nicht unterscheiden, ob jemand ruhig und rücksichtsvoll unterwegs ist oder mit hoher Drehzahl und unnötigem Lärm durch einen Ort fährt. Motorrad ist Motorrad.
Und damit darf auch derjenige nicht durch, der sich an sämtliche Regeln hält. Genau deshalb fühlt sich eine solche Sperrung aus Sicht eines Motorradfahrers schnell unfair an. Doch dann gibt es eben noch die andere Seite.

Für uns ist eine kurvige Landstraße vielleicht eine besonders schöne Passage einer Motorradtour. Für jemanden, der dort wohnt, ist es schlicht die Straße vor seinem Haus. An einem sonnigen Wochenende fährt dort nicht nur ein Motorrad vorbei. Es kommen zehn, hundert oder vielleicht noch mehr. Die meisten fahren vermutlich völlig normal.
Aber natürlich gibt es auch diejenigen, die am Ortsausgang offenbar noch einmal demonstrieren möchten, wie gut ihr Motorrad klingt. Und selbst wenn alle Motorräder legal und halbwegs vernünftig bewegt würden, bleibt noch ein Punkt: Die Menge macht einen Unterschied.
Ich bin nach wenigen Sekunden wieder verschwunden. Der Anwohner hört bereits das nächste Motorrad. Auch ein Serienauspuff macht ein Motorrad schließlich nicht geräuschlos. Wer mit unnötig hoher Drehzahl durch einen Ort fährt, kann auch mit einer vollkommen legalen Auspuffanlage nerven.
Hinzu kommt bei manchen Strecken die Verkehrssicherheit. Wenn sich schwere Motorradunfälle häufen, ist nachvollziehbar, dass Verantwortliche nach Möglichkeiten suchen, etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb verstehe ich durchaus, warum Anwohner irgendwann sagen: So kann es nicht weitergehen.
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Genau hier entsteht für mich der eigentliche Konflikt. Ich kann den Wunsch der Anwohner nach Ruhe und Sicherheit nachvollziehen und gleichzeitig eine pauschale Streckensperrung für Motorräder kritisch sehen. Beides widerspricht sich nicht. Die interessantere Frage lautet deshalb:
Gibt es bessere Möglichkeiten als ein Fahrverbot für alle Motorradfahrer?
Eine perfekte Lösung habe ich natürlich auch nicht. Ein paar Ansätze erscheinen mir aber zumindest sinnvoller.

1. Gezielter gegen Lärm und gefährliches Fahren vorgehen
Wer unnötigen Motorradlärm verursacht oder gefährlich fährt, sollte auch mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Gezielte Kontrollen erscheinen mir grundsätzlich gerechter als ein pauschales Verbot für alle. Natürlich wird auch das nicht jedes Problem lösen. Wenn beispielsweise hohe Unfallzahlen die Hauptursache einer Streckensperrung sind, genügt eine reine Lärmkontrolle nicht. Trotzdem würde damit zumindest versucht, diejenigen zu treffen, die tatsächlich Probleme verursachen.
2. Auch wir Motorradfahrer können etwas beitragen
Ganz aus der Verantwortung können wir uns ebenfalls nicht ziehen. Im Ort einen Gang höher fahren, nicht unmittelbar hinter dem Ortsausgang testen, wo der Drehzahlbegrenzer sitzt, und eine beliebte Kurvenstrecke nicht fünfmal hintereinander auf und ab fahren – vieles davon sollte eigentlich selbstverständlich sein. Rücksicht wird vermutlich nicht jede bestehende Motorradsperrung wieder verschwinden lassen. Aber Rücksichtslosigkeit liefert ziemlich zuverlässig Argumente für die nächste.
3. Streckensperrungen nachvollziehbar machen und überprüfen
Wenn eine Straße speziell für Motorräder gesperrt wird, sollte aus meiner Sicht transparent sein, weshalb. Geht es hauptsächlich um: Motorradlärm? Gefährliches Fahrverhalten? Schwere Unfälle? Die große Anzahl an Motorrädern? Ebenso wichtig wäre die Frage, welche anderen Maßnahmen zuvor versucht wurden. Und eine einmal verhängte Streckensperrung sollte nicht automatisch für alle Ewigkeit bestehen bleiben. Es sollte regelmäßig geprüft werden, ob sie weiterhin notwendig ist und ob andere Maßnahmen inzwischen eine Alternative darstellen könnten.

Bei Diskussionen über Motorrad-Streckensperrungen entstehen schnell zwei Lager. Auf der einen Seite stehen Anwohner, die sich durch Lärm oder Verkehr belastet fühlen. Auf der anderen Seite stehen Motorradfahrer, die sich pauschal für das Verhalten anderer bestraft fühlen. Wenn beide Seiten nur noch übereinander reden, wird sich daran vermutlich wenig ändern. Vielleicht müsste man tatsächlich einmal die Perspektive tauschen.
Mein nicht ganz ernst gemeinter Vermittlungsvorschlag aus dem Video:
Interessierte Anwohner fahren einmal als Sozius auf einer schönen Motorradtour mit und erleben, warum wir diese Strecken so gerne fahren. Anschließend setzen wir Motorradfahrer uns für eine Stunde in deren Garten direkt neben eine viel befahrene Motorradstrecke. Möglicherweise hätten danach beide Seiten ein bisschen mehr Verständnis füreinander.

Ich ärgere mich über Motorrad-Streckensperrungen. Vor allem deshalb, weil sie auch diejenigen treffen, die sich vernünftig und rücksichtsvoll verhalten. Trotzdem möchte ich die Sicht der Menschen nicht ignorieren, die jedes schöne Wochenende den Motorradverkehr direkt vor ihrer Haustür erleben. Für mich lautet die Lösung deshalb nicht einfach:
Motorradfahrer gut – Anwohner schlecht.
Aber genauso wenig: Ein paar Motorradfahrer benehmen sich daneben – also sperren wir die Strecke für alle. Wo immer es möglich ist, wären gezielte Maßnahmen gegen die tatsächlichen Ursachen für mich der bessere Weg. Bis dahin bleibt beim Elmsteiner Tal nur eines: An gesperrten Tagen eine andere Strecke fahren. Denn einfach am Verbotsschild vorbeizufahren löst das Problem wahrscheinlich nicht. Es macht es höchstens teurer.
Wie seht ihr das?
Könnt ihr Streckensperrungen speziell für Motorräder nachvollziehen? Oder findet ihr es grundsätzlich falsch, auch rücksichtsvolle Motorradfahrer von einer Straße auszuschließen? Welche Maßnahmen wären aus eurer Sicht eine faire Alternative? Und besonders interessant: Wohnt ihr vielleicht selbst an einer beliebten Motorradstrecke? Dann schreibt gerne, wie sich die Situation aus eurer Perspektive darstellt.
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