Persönliches
Driss, der sein muss
Ganz ehrlich gesagt hat mich alles mit Motor schon immer mehr interessiert als das, was man gemeinhin „vernünftig“ nennt.
Schon als kleiner Stöpke saß ich auf dem Beifahrersitz und beobachtete meinen Vater beim Autofahren mit der Ernsthaftigkeit eines Ingenieurs: Kupplung, Gas, Schalten – alles wurde genaustens studiert. Während andere Kinder Cowboy spielten, hinterließ ich mit dem Kettcar wilde Drifts auf dem Hof und zog mit dem Fahrrad Bremsspuren, die meinen Eltern immer die Tränen in die Augen getrieben haben.







Als ich in der Schule für eine kleine „Verwaltungsgebühr“ in einer AG den Mofa-Führerschein machen konnte, war klar:
15 werden war Pflicht!
Das geerbte Mofa meines großen Bruders fühlte sich an wie pure Freiheit auf zwei Rädern – auch wenn es objektiv betrachtet wahrscheinlich eher Richtung Rasenmäher tendierte.
Das Teil hat mich nie im Stich gelassen. Nur das ständige Verstopfen des Auspuffs mit Öl war etwas nervig.

Mit 18 kam dann der große Schritt. Meine Eltern – ob aus Talent-Erkennung oder Mitleid, sei dahingestellt – bezuschussten mir den Führerschein so großzügig, dass neben dem Auto auch gleich der Motorradführerschein drin war. Die Fahrschule fand auf einer ziemlich mitgenommenen Honda CB 400 statt. 27 PS, diverse Kampfspuren, vermutlich schon öfter im Asphalt gelegen als ich auf der Couch.
Nach bestandener Prüfung redete mir mein Vater sehr „freundlich“ eine Vespa Cosa mit 200 ccm³ und 12 PS ein. Ich versuchte wirklich, sie zu mögen – aber während meine Kumpels beim Wildcampen im Auto schliefen, lag ich unter freiem Himmel. Und irgendwann stellte ich fest: Mädels stehen nicht dauerhaft auf Abenteuer mit Helmfrisur. Also stieg ich auf ein altes Auto um. Die Motorräder verschwanden aus dem Blickfeld – und aus dem Kopf. Fast.

27 Jahre später. 2018, beim Umtausch des rosa Lappens gegen den Kartenführerschein, kam der Moment der Erkenntnis: Ich hatte ja noch einen Motorradführerschein. Und mehr noch – die alte 27-PS-Beschränkung existierte nicht mehr. Ich hielt plötzlich Klasse A in der Hand. Einfach so.
Ich weiß, es ist verrückt, aber ich fing da an, wo ich aufhörte: Beim einem Roller. Allerdings jetzt nicht mit einem „Vollplastikmodell“, sondern mit einem wirklichen Klassiker als Nachbau: eine PX200 des indischen Herstellers LML, der die Metallkarosse in Lizenz mit einem 4-Takt-Motor versehen hatte und in Europa verkaufte. Mittlerweile ist die Firma leider insolvent. Trotz großer Bemühungen und Aufrufen via Facebook – ich fand in meiner Region einfach keine Gleichgesinnten. Ein paar kleinere Touren und zwei Jahre später verkaufte ich den Roller.

Zum 80. Geburtstag meines Vaters wollte ich ihm etwas ganz Besonderes schenken – einen Film, der Erinnerungen wachruft. Um darin eine Szene authentisch nachzustellen, kaufte ich mir sein damaliges Studentenmotorrad, restauriert: eine BMW R27 aus dem Jahre 1966.
Just nach den Dreharbeiten machte die alte Dame allerdings schlapp: Sie dankte es mir mit einem kapitalen Motorschaden. Die Reparatur kostete mehrere tausend Euro und dauerte über ein halbes Jahr. Als sie dann wieder da war, war die Luft bei mir raus. Zu groß war die Sorge, dass jederzeit wieder etwas kaputtgehen könnte. Also ließ ich auch sie wieder ziehen.
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Jetzt aber richtig! Zeit für etwas mit mehr Dampf. Das Budget war nach der BMW-Reparatur allerdings ... nennen wir es „ambitioniert“. Also wurde es eine Suzuki GS 500 – A2-Klassiker, günstig, ehrlich. Nach harten Verhandlungen standen 1100 Euro im Kaufvertrag. Beim Blick in den Fahrzeugbrief dann die Überraschung: Ich war Besitzer Nummer 13.
Die Probefahrt überließ ich lieber einem Freund – ich hatte ehrlich gesagt ordentlich Respekt vor dem Motor. Und ja: Der erste eigene Ritt war ... beängstigend! Wirklich!
Susi war perfekt zum Herantasten. Nur eines störte mich als leichten Ästheten gewaltig: diese rostigen Heizungsrohre, die man Krümmer nannte. Nach zwei Saisons war ich mit 48 PS dann offiziell die „Lame Duck“ der Gruppe. Zeit für ein Traumbike.

Jetzt wollte ich es wirklich wissen – ALL IN, keine halben Sachen mehr. Ich kratzte meine ganze Kohle zusammen und erfüllte mir den Traum vom Boxer - mit einer BMW R nineT. Und ganz ehrlich: Schon beim ersten Gasstoß war es wieder da, dieses Gefühl, das ich zuletzt bei der GS500 hatte – nur verstärkt. Diese Mischung aus Respekt, Faszination und einer leicht vollen Hose.
Die R nineT ging mit einer solchen brachialen Wucht nach vorne, dass man beim ersten Mal unwillkürlich denkt: „Okay… das ist jetzt eine andere Liga.“
Mittlerweile habe ich fast 40.000 Kilometer mit ihr abgespult. Wir waren auf Kurztrips, Mehrtagestouren, Pässen und Nebenstraßen unterwegs – und ja, sie kann das alles erstaunlich gut. Aber sagen wir mal so: Es gibt Maschinen, die fürs altergerechte Reisen vielleicht doch etwas gemütlicher sind. Trotzdem: Die R nineT bleibt für mich ein Motorrad, das jedes Mal ein breites Grinsen ins Gesicht meißelt – und genau deshalb ist sie bis heute in meinem Fuhrpark.

Eine gute Freundin, mit der ich öfters auf der BMW rnine T zusammen unterwegs war bemängelte jedoch, dass der Sozia-Komfort doch stark zu wünschen übriglassen würde. Natürlich war das kein Reisemotorrad.
Nach längerer Überlegungsphase leerten wir beide unsere Sparbücher und kauften uns zusammen eine Honda CB 1100 RS - Codename "Berta" (abgeleitet von der dicken Berta). Absoluter Reisekomfort, ordentlich Dampf, sportlich und vor allem mit Koffern und Topcase.
In der ersten Saison fuhren wir die Maschine sehr oft. Als es weniger wurde, ließen wir die Honda wieder ziehen. Doch warum wurde es weniger?

Mich traf das Glück aus heiterem Himmel gleich zweimal: Eine Partnerin. Mit Motorradführerschein. Okay, sie war etwas aus der Übung, aber innerhalb einer Saison war die Sicherheit wieder da. Die von ihr angeschaffte Kawasaki ER6n war zwar kein Traktor, aber sie fuhr doch ein erheblich anderes Tempo mit ihr als ich.
Damit wurden die gemeinsamen Fahrten auch zunehmend anstrengender – für beide. Es musste sich also etwas ändern. Der Kompromiss: Wir schafften uns beide ein gleich schwaches, aber reisetaugliches Motorrad on top an: Zwei BMW G310 GS zogen schließlich ein – getauft auf Gisela (Sonderausstattung Hauptständer) und Berti (Sonderausstattung Griffheizung).
Was man nicht alles für die Liebe tut.
TO BE CONTINUED ...
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